08.04.2019

Lasst die Erde blühen!

Der Verein Blumenwiesen Alb e.V. macht sich stark für die Erhaltung der Qualität und Schönheit unserer Wiesen und Weiden am Fuß und auf der Schwäbischen Alb.

Farben, Duft und Weite – auf den Blumenwiesen der Schwäbischen Alb scheint die Natur die feinsten Kräuter und die leuchtendsten Blumen in geradezu verschwenderischer Vielfalt aus der Erde zu werfen. Ein Fest der Sinne für den Menschen und eine wertvolle  Futtergrundlage – geradezu eine Kräuterapotheke für das Vieh.

Die artenreichen Blumenwiesen sind ein besonderes Gut, das jedoch nicht genügend  wertgeschätzt wird, weil die Wiesen rein mengenmäßig nicht so viel Futter liefern wie Hochertragswiesen oder Maisäcker.

Bedrohung der Artenvielfalt
Wir leben in einer Zeit, in der uns die tieferen Zusammenhänge immer bewusster werden, in denen knapp wird, was früher im Überfluss vorhanden war. Zunehmend sehen wir die Blumenwiesen mit anderen Augen, sehen ihre wichtige Bedeutung für Artenvielfalt, gesunde Tierernährung und Landschaftsbild.

Das Insektensterben, mit einem Rückgang um 75% in den letzten 30 Jahren, zeigt deutlich, welch wichtige Funktion unter anderem die Wiesenblumen im Ökosystem unserer Landwirtschaft haben. Als Bestäuber wie als Nahrung für Vögel dienen die Insekten, die wiederum die Blumenwiesen als Lebensraum benötigen. Insbesondere die circa 560 Arten von Wildbienen leiden in Deutschland an den Folgen intensiver Landwirtschaft und vielem anderen, 50% von ihnen gelten bereits als gefährdet.

Viele Wildblumen werden nicht von den Honigbienen bestäubt, und so kann der Rückgang einzelner Insektenarten auch den Bestand der von ihnen bevorzugten Wildblumen gefährden. Die gesamte Artenvielfalt wird bedroht. Dabei sind die Albwiesen aufgrund der mageren Böden besonders artenreich. Der wasserarme Karstboden der Alb hat eine europaweit bedeutende Vielfalt von Blumen und Kräutern hervorgebracht.

Engagement für intakte Natur
Mehrere engagierte Leute, Verbände und Gemeinden haben daher beschlossen, dem ständigen Rückgang der Blumenwiesen-Flächen auf und vor der Schwäbischen Alb entgegenzuwirken. Vor zehn Jahren gründeten sie den Verein Blumenwiesen Alb e.V. Zu ihnen gehören Dr.  Rainer Oppermann, Leiter des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität, Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Reutlingen, Roland Herdtfelder vom NABU Reutlingen, Marianne Herter und Julia Bernecker, die dem Verein seit seiner Gründung vorstehen und ihn maßgeblich tragen. Ein Element des Engagements für die Erhaltung der artenreichen Blumenwiesen ist die Ernennung einer Blumenwiesenkönigin, seit Juni 2018 ist es Sandra die Erste. Sandra Wild lebt ihr Ehrenamt aus einer großen Liebe für die Erde, die die Wiesen hervorbringt, und aus Sorge um den Erhalt der Naturflächen, die viel von der Schönheit unserer Landschaft ausmachen.

Von der Wertschätzung zur Wertschöpfung
Wenn Blumenwiesen immer zu häufig und zu früh gemäht werden, reduziert sich die Artenvielfalt. Es ist sehr schwer, eine artenreiche Wiese wieder herzustellen, allein die Erhaltung bedarf einer aufmerksamen Bewirtschaftung und dazu brauchen wir die Bauern, darin sind sich alle Mitglieder des Vereins einig. Der oft gehörten pauschalen Bauernschelte widersprechen sie alle. Bei dem Preis- und Existenzdruck, der auf den Landwirten lastet, muss der Wert, den sie mit ihren Blühwiesen für die Allgemeinheit leisten, vergütet werden. Da gilt es EU-Mittel gezielter zu verteilen, und Bundes- und Landes-Gelder intelligent einzusetzen.

Aber darauf will der Verein Blumenwiesen Alb nicht warten. Er möchte Wege finden, der besonderen Qualität und Schönheit der Wiesen zu einem besseren Einkommen für die Landwirte und damit zu einer verbesserten Wertschöpfung zu verhelfen. Rainer Oppermann und Gebhard Aierstock stellen klar: „Nur wenn aus Wertschätzung auch Wertschöpfung wird, bleibt die lebendige Artenvielfalt der Schwäbischen Alb erhalten.“ Denn es sind letztlich die Landwirte, die die Blumenwiesen erhalten – durch eine extensive Form der Bewirtschaftung und durch Heugewinnung. Oder auch durch Blühstreifen am Ackerrand, so wie es sich die Albkorn-Landwirte zur Pflicht gemacht haben. Wer dagegen als Hobbygärtner auf der Suche nach mehrjährigen und regionalen Blühmischungen ist, wird beim alteingesessenen Gönninger Händler Samen-Fetzer fündig.

Wie sieht eine Kuh die Wiese?
„Wenn man eine Wiese beurteilen will, muss man sie mit den Augen der Kuh betrachten“, so hat es einmal ein Schweizer Landwirt benannt. Aber eine Kuh, die 25 Liter Milch am Tag geben soll, hat vor allem Hunger, und hat mehr von einer Wiese, die drei- bis fünfmal im Jahr gemäht wird, als von zweimal gemähten Wiesen, in denen auch Blumen zum Blühen kommen.

Gebhard Aierstock ist selbst Landwirt und betrachtet die Sache realistisch. Grünlandflächen so zu bewirtschaften, dass sie gleichzeitig artenreich und wirtschaftlich sind, ist eine Herausforderung. Die Heugewinnung auf den Blumenwiesen ist aufwendiger und gibt weniger Ertrag als die übliche Silageproduktion. Aber trotzdem sind sie eine wichtige, mineralstoffhaltige Futtergrundlage für Rinder, Pferde und Schafe.

Viele gute Ideen
Mit Wettbewerben wie der Wiesenmeisterschaft, Schreib-, Mal- und Fotowettbewerben rückt der Verein den Wert der Blumenwiesen immer deutlicher in das Blickfeld der Öffentlichkeit.

2019 werden in einem Gemeindewettbewerb 50 Gemeinden aufgefordert, ihre Bemühungen zur Erhaltung der Blumenwiesen ihrer Gemarkungen einzubringen. Erhaltung von artenreichen Blumenwiesen, Streuobstwiesen und Wacholderheiden, Unterstützung von Schafhaltung und andere Aktivitäten sollen beispielgebend für andere sein und das Engagement der Gemeinden in diesem Bereich soll gewürdigt werden.

„Die Menschheit braucht lokale Antworten auf globale Probleme“, zitiert Sandra Wild den Buchautor Philipp Unterweger. „Ich sehe meine Aufgabe als Blumenwiesenkönigin nicht nur darin, unser Anliegen bei verschiedenen Gelegenheiten repräsentativ zu vertreten“, fasst sie ihren Anspruch zusammen. „Ich will auch politisch wirken.“ „Der Verein will Netzwerke fördern, Vermarktungsstrategien für Albwiesen-Produkte unterstützen, Wertschöpfung für die Blumenwiesen entwickeln und alles dafür tun, dass die wertvollen Wiesen der Alb erhalten bleiben“, ergänzt Rainer Oppermann. Er ist sehr gespannt darauf, wie viele Gemeinden bei dem Wettbewerb in diesem Jahr mitmachen. Es geht um die Lebendigkeit und die Vielfalt unserer Erde, unseres Lebensraums.

 

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