11.02.2019

Eine Streuobst-Erfolgsgeschichte - Unterricht in den Wiesen

Streuobstpädagogin Barbara Zeppenfeld und Kinder der 4a Jos-Weiss-Schule bei der Saftherstellung

Kinder der Klasse 4a an der Jos-Weiss-Schule Reutlingen

Pflanzen und Tiere entdecken, einen Obstbaum pflanzen, Äpfel auflesen, selber Saft pressen - für Grundschulkinder im Streuobstparadies wird das Klassenzimmer kurzerhand nach draußen verlegt, um die besondere und arbeitsintensive Kul-turlandschaft der Streuobstwiesen hautnah kennenzulernen und zu erleben.

Sicherten sie unseren Vorfahren früher oft den Lebensunterhalt, stehen die Streuobstwiesen bei stark gesunkenen Mostobstpreisen heute vor allem wegen ihrer ökologischen Wertigkeit im Fokus. Unsere gepflegten Streuobstwiesen sind ein „Hotspot“ der Artenvielfalt mit einer unglaublichen Anzahl an großen und kleinen Lebewesen.

Immer öfter werden sie inzwischen auch durch Schulklassen mit Entdeckergeist  bevölkert. 26 durch den Verein Streuobstparadies e.V. ausgebildete „Streuobstpädagogen“ sind im Landkreis Reutlingen für die Kulturlandschaft vor unserer Haustür in den Schulen und Kindergärten unterwegs und bieten bereits seit 2015 das „Klassenzimmer im Grünen“ an. Im Jahresrund gehen die Streuobstpädagogen mit den Kindern der teilnehmenden dritten Klassen auf die Wiesen und bieten eine attraktive und praktische Ergänzung des Unterrichts. Im Streuobstunterricht finden sich Aspekte aus Mathematik, Sachkunde und Deutsch und die direkte Erlebbarkeit von besprochenen Themen, die vom Lehrplan verlangt wird. Wenn man die Blüte vor Augen hatte, schreibt sich der Name „Wiesenstorchschnabel“ gleich viel einfacher fehlerfrei.

Von den Arbeiten zur Vorbereitung der Baumpflanzung berichtet Klassenlehrerin Iwona Werz von der Freibühlschule in Engstingen eindrucksvoll: „Das Credo der Streuobstpädagogen - es gibt kein besseres Werkzeug als die Hände - wird von den Kindern unterschiedlich umgesetzt. Manche Schüler stürzen sich in die Arbeit und schaufeln mit ihren Händen eifrig die Erde aus dem Loch heraus. Einige andere aber kostet es reichlich Überwindung, in die Erde zu fassen und vielleicht auch mal einen Regenwurm oder einen Tausendfüßler in der Hand zu halten – für alle Kinder ist es auf alle Fälle eine besondere und wertvolle Erfahrung!“

Dass es eine sinnvolle und ergiebige Aufgabe ist, die Bäume mit dem fachgerechten Aufwand zu pflegen, erleben die Kinder hautnah. Im Modul „Verwertung“ lesen sie die Früchte auf und pressen selber Saft, meist direkt auf der Wiese. Nach den Sommerferien, wenn die Äpfel wieder reifen, sind sie dann bereits in der vierten Klasse. Das Projekt spannt somit einen Bogen von der Pflanzung über die Blüte bis zum Ertrag.

Die Klassenlehrerin Ursula Faber der 3a an der Gutenbergschule Riederich hat erfreut festgestellt: „Die Natur so hautnah zu erfahren ist und war für meine Schüler natürlich sehr eindrucksvoll und nachhaltig. Im Unterricht haben wir das Wissen vertieft und ein Themenheft Streuobstwiese gestaltet. Wir Kolleginnen haben uns dazu entschlossen, das Streuobstwiesenprojekt fest in der dritten/vierten Klasse zu etablieren und die jetzigen Dreier freuen sich schon darauf.“

Christian aus Klasse 4a an der Jos-Weiss-Schule in Reutlingen schreibt dazu „Als erstes sammelten wir Äpfel vom Boden. Als wir und die andere Gruppe fertig waren, haben wir die Äpfel gewaschen und zerkleinert. Dann haben wir die kleinen Apfelstücke gepresst. Als der Apfelsaft fertig war, konnten wir mit vollem Genuss Apfelsaft trinken.“ Und wie bringen es seine Kollegen aus der Freibühlschule auf den Punkt: „Suuuperlecker“.

Eindrücke wie die Aromen des Direktsafts, das Gefühl taubenetzte Äpfel aufzulesen oder der Anblick von sich unter der Fruchtlast biegenden Ästen, prägen die Schülerinnen und Schüler nachhaltig und schaffen ein neues Bewusstsein für die Natur, was sich sicherlich auch beim nächsten Einkauf von Apfelsaft zeigen wird, wenn auf Konzentrat verzichtet wird.

Bereits über 2.000 Schülerinnen und Schüler im Landkreis Reutlingen haben am Klassenzimmer im Grünen teilgenommen. Gefördert wird das Projekt durch den Landkreis Reutlingen und die Reutlinger Kreissparkasse, so dass die eigenen Kostenanteile für die Schulen in einem überschaubaren Rahmen liegen.

Zunächst begrenzt auf den Förderzeitraum 2015-2020, wird das Projekt nun aufgrund des großen Engagements der Kreissparkasse noch darüber hinaus fortlaufen können.

Für das laufende Schuljahr sind noch Plätze frei. Anmeldungen nimmt die Grünflächenberatungsstelle des Landratsamts Reutlingen gern unter gruenflaechenberatung@kreis-reutlingen.de entgegen.

Weitere Information zum Projekt gibt es unter www.streuobstparadies.de.

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